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1. Juli 2014 / denkendermensch

Die Verlorene Würde

Die Menschenwürde ist ein philosophisches Konzept, dass mindestens auf Kant, wenn nicht weiter zurückgeführt werden kann. Heute ist sie Bestandteil vieler Verfassungen und doch scheint sie kaum irgendwo auch gewahrt zu sein. „Der Mensch soll nie nur Mittel, sondern auch Zweck sein.“ Dies sei wohl eine der wichtigsten Aussagen zur Würde. Der Mensch soll stets Zweck sein. Der Mensch soll im Vordergrund sein und eine Handlung soll für den Menschen gemacht werden. Der Mensch darf nicht, zu einem Objekt oder blossen Mittel, herabgewürdigt werden. Der Mensch soll und muss als Menschen behandelt werden. Jeglichen unmenschlichen Umgang soll verboten werden.

Es ist klar zu erwähnen, dass die Menschenwürde zu den undefiniertesten Begriffen gehört die wir kennen. Aber zugleich ist es ein gesellschaftliches Grundprinzip, vielmehr ein verfassungsmässiges Grundrecht, sogar eines der wichtigsten Rechte, wenn nicht das Wichtigste. Es ist wirklich der grosse Minimalstandard wie man mit anderen Menschen umgehen soll.

Und doch schaut man sich die Welt an, so scheint die Menschenwürde doch nur eine Theorie zu sein, die zwar auf dem Blatt steht, aber in der Praxis nicht beachtet wird. Der Mensch in der heutigen Gesellschaft ist oftmals bereits zu einem Objekt reduziert worden. Der einzelne Mensch ist heute nicht mehr wirklich wichtig. Es stellt sich die Frage ob die Menschenwürde jemals mehr, als das was sie heute ist, war. Es mag in der Geschichte einzelne Momente gegeben haben, in denen die Menschenwürde wenigstens ein wenig oder kurzfristig geachtet wurde, aber wer kennt schon die wahre Geschichte? Relevant wird es ja erst in der Neuzeit, wo dieses Prinzip auch als Grundrecht aufgenommen wurde. Es ist strittig, ob die Menschenwürde überhaupt jemals gegolten hat. Denn bis anhin war, und ist der Mensch ein Mittel der Wirtschaft, dass während der Arbeitszeit verbraucht wurde, um Gewinn zu erzielen oder Wirtschaftswachstum zu generieren. Es lässt sich hier aber auch einen Zweck erkennen, der auf die eigene Versorgung abzielt. Ob man dies aber als genügenden Zweck bezeichnen will, sei jedem selber überlassen.

Einmal angenommen, dass damit die Würde auch weiterhin erhalten bleibt, so schaffen es die gesellschaftlichen Entwicklungen diese dann doch aufzuheben. Im Internetzeitalter gibt es im Internet Unmengen an Daten über den einzelnen Menschen. Diese werden oft unbewusst und/oder gegen den Willen an Dritten weitergegeben, die damit Gewinn erzielen. Die Daten, die Fakten, das Wissen zu einem Menschen, ist ein Teil des Menschen. Ein Mensch ohne seine eigenen Daten ist kein Mensch. Mindestens hier scheint die Würde schutzlos ausgeliefert, wenn man sich nicht selber umständlich schützt. Aber das ist ja nicht alles. Die Überwachung des ganzen Lebens wird stetig intensiviert. Auch hier wird der Mensch zu einem Mittel für Scheinsicherheit, denn Sicherheit, was vielleicht ein Zweck sein könnte, gibt es dadurch nicht. Dann will der Staat jedem Bürger eine individuelle Nummer zuordnen, mit welcher der Bürger in jeglicher staatlichen Datenbank eingetragen ist. Der Mensch wird für den gesamten Staat zu einer einfachen Nummer, zu einem einfachen Objekt. Der Mensch spielt keine Rolle mehr, der Mensch hat keinen Namen mehr, der Mensch unterscheidet sich nur noch durch die Nummer. Und als diese wird er nur noch wahrgenommen. Eine einfache Datenbank-ID, mehr bleibt vom Menschen nicht übrig. Und zugleich sind mit dieser ID alle Daten zum Menschen verbunden. Jeder Mensch wird zum gläsernen Objekt eines, wie es aussieht, Überwachungsstaats. Spätestens jetzt, wenn man noch immer von einer vorhandenen Menschenwürde ausgehen würde, wäre diese endgültig inexistent. Und nicht zu vergessen, das Nachfolgeprodukt mit einem hübschen Chip in Körper mit Ortungsfunktion und vielem anderen wartet bereits.

Der Überwachungsstaat kommt und die Menschenwürde geht verloren, wenn man davon ausgeht, dass sie tatsächlich einmal da war.

 

F.J.D.

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